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  • claudia50022

Street-Art in Wien: Das Erbe des Joseph Kyselak


Graffiti mit dem Gesicht einer Frau und einem fliegenden Vogel
Straßenkunst in Wien ist häufiger als Du denkst

Wien und Street-Art? Passt das zusammen? Ja, das passt sogar hervorragend zusammen! Am 27.07., also heute, startet Wiens größtes Street-Art Festival, Calle Libre. Bis 05. August zelebriert Wien die Straßenkunst. Aber wusstest Du, dass Wien immer schon eine Stadt der Straßenkunst war? Warum das so ist, erfährst Du in diesem Blogpost!


Seit 2014 streift sich das sonst -zumindest vordergründig- eher brave und konservative Wien ein supercooles Outfit über und wird für etwas mehr als eine Sommerwoche zum Gastgeber von Mitteleuropas größtem Street-Art Festival, dem Calle Libre. Ab heute bis inklusive 5. August kann man auch heuer wieder ganz eintauchen in diese faszinierende Kunstform im öffentlichen Raum: Ausstellungen und Führungen informieren über das breite Spektrum und das Wesen der Straßenkunst. Und am spannendsten ist es natürlich, auf der Suche nach den diesjährigen "Wänden" durch Ottakring zu streifen und die Künstler bei ihrer Arbeit zu beobachten. Nach dem Ende des Festivals bleiben die Kunstwerke dann meist noch für einige Zeit (manchmal über Jahre) erhalten, bis sie schließlich irgendwann verschwinden, sprich: übermalt werden. Denn ein wesentlicher Aspekt der Street-Art ist nun einmal ihre Vergänglichkeit.


Doch wer um Himmels Willen ist nun der im Titel erwähnte Joseph Kyselak? Und was hat er mit Street-Art zu tun? Hmmm, mit dem, was auf dem Calle Libre Festival gezeigt wird, eigentlich wenig. Eher war er einer der ersten "Tagger", die in die Geschichte eingegangen sind, denn auf seinen zahlreichen Reisen und Wanderungen hinterließ er mit großer Begeisterung oft an den unmöglichsten Stellen seinen Namen in Großbuchstaben.


Geboren in der Wiener Josefstadt wuchs er in der elterlichen Wohnung in der heutigen Lerchenfelder Straße 20 auf. Ein abgebrochenes Philosophiestudium und sieben (!) Praktikantenjahre in der sehr spannend klingenden "K.K Vitikalfondskassenoberdirektion" später, entdeckte er seine wahre Berufung: das Weitwandern. Ab dem 12.August 1825 überquerte er in vier Monaten von Graz aus nach Westen die Alpen. Über die Koralpe und den Mallnitzer Tauern führte ihn sein Weg bis nach Sterzing, ins Ötztal, ins Stubaital bis nach Innsbruck und dann auf Flößen und Schiffen bis Passau und zurück nach Wien. Diese schon fast exotische Reise beschrieb er vier Jahre später in seinem Bericht "Skizzen einer Fußreise durch Österreich". Der Titel ist noch um einiges länger, würde hier aber den Rahmen der Maximallesezeit sprengen.


Und überall, auch auf die höchsten Berge Österreichs, ritzte oder kritzelte er sein: "KYSELAK WAR HIER". So wurde er schon zu seinen Lebzeiten zu einer Graffiti-Legende und nach seinem frühen Cholera-Tod im Jahr 1831, ebenfalls in der Josefstadt, wurden die Geschichten um sein Vermächtnis immer spektakulärer. So wurde behauptet, er habe den Chimborazo in Ecuador bezwungen. Alexander von Humbold soll später auf dem Gipfel des Chimborazo den Schriftzug "Kyselak 1837" vorgefunden haben. Ein klassischer Fall von Fake News, denn Humboldt war bereits 1802 am Chimborazo (aber nicht auf dem Gipfel!) und Kyselak war 1837 bereits tot.


Eine weitere Legende besagt, daß Kyselak zum damaligen Kaiser Franz I. zitiert worden sei, weil er wiederholt kaiserliche Gebäude "beschmiert" hatte. Nachdem er dem Kaiser feierlich gelobt hatte, dies nie wieder zu tun, wurde er gnädig entlassen. Als Kyselak gegangen war, soll der gute Kaiser den Namen "Kyselak" und das entsprechende Datum auf seinem Schreibtisch eingraviert gefunden haben.


So lebt unser Joseph Kyselak in den Legenden über ihn und in seinen "Tags" weiter, sei es auf dem Gipfel des Chimborazo oder dem Schreibtisch des Kaisers, auf einer Säule im Wiener Schwarzenbergpark oder auf der Burgruine Kapfenberg, auf dem Wehrturm von Perchtoldsdorf oder auf einer Felswand in der Wachau, in Theaterstücken und Filmen ("Kyselak, the first graffiti-tagger"). Und natürlich in einem Gustostückerl von Gedicht von Joseph Victor von Scheffel, das alles sehr schön zusammenfasst:


...schwer empört schau ich das Denkmal wilder Menschenart...

Sieh- da winkt versöhnlich milde

Auch ein Gruß der Gegenwart:

Schwindlig ob des Abgrunds Schauer

Ragt des höchsten Giebels Zack

Und am höchsten Saum der Mauer

Prangt der Name- KYSELAK.


Ich hoffe, Du hast jetzt erst recht Lust auf Street-Art in Wien bekommen. Nütze den Sommer und tauche in die alte und neue Geschichte der Stadt ein!


Alle Infos zum Calle Libre Festival findest Du hier: www.callelibre.at


Mehr Geschichten über Joseph Kyselak gibt es bei meiner nächsten Führung durch den 8. Bezirk. Das genaue Datum wird auf meiner Website bekanntgegeben. Komm auf jeden Fall mit!


Bis bald,


Deine Claudia von den AlpineFoxes



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